Die Mär vom Billigfleisch oder warum Patriotismus beim Lebensmittelkauf nicht enden darf

 

 

 

 

 

 

 

„Österreich zuerst“, „Heimatliebe statt Marokkanerdiebe“ – zwar kann man hinsichtlich dieser Wahlsprüche geteilter Meinung sein, aber eines ist unbestritten: der gemeine Österreicher ist für Patriotismus und Heimatverbundenheit äußerst empfänglich. Besonders deutlich wird dieser Umstand in den Bundesländern, Kärnten steht auf dieser Liste wahrscheinlich sogar ganz oben.

quergedacht2So weit so gut, Patriotismus ist per se nichts schlechtes, auch ich selbst fühle mich sehr eng mit meiner Heimat verbunden. Aber besteht Heimatverbundenheit nur aus Kärntneranzug, Kasnudel und der moralischen Verpflichtung bei Länderspielen die Nationalhymne zu singen? Wohl hoffentlich nicht.

Besonders bei Sozialleistungen für Ausländer ist der allgemeine Tenor nur zu oft: „Frechheit, am Ende müssen das unsre Leut’ wieder zahlen!“ Auch das nennt man scheinbar Patriotismus, wenngleich Konrad Duden – Gott hab’ ihn selig – mit dieser Wortverwendung wohl nicht ganz einverstanden wäre.

Doch warum ändert sich diese Haltung schlagartig, so bald diese „Berufs- und Hobbypatrioten“ einen Supermarkt betreten? Man kauft italienisches Hühnerfleisch und spanische Gurken, oder zwar „Fleisch aus Österreich“, aber in Aktion um 3 Euro pro Kilo. Dass man damit „unsren Leuten“ – nämlich den heimischen Landwirten und Lebensmittelhändlern – nur allzu oft die Existenzgrundlage entzieht, wird geistig gar nicht erfasst.  Hauptsache bei den Sozialleistungen kommen die „Österreicher zuerst“.  Zusammengefasst würde das demnach bedeuten, dass die Bauern kein Einkommen brauchen, wenn der Staat ihnen mehr Sozialleistungen auszahlt. Aber ich weigere mich schlichtweg, die heimischen Landwirte als Sozialfälle zu betrachten.

Es geht hier nicht um eine Flüchtlingsdebatte, sondern um etwas völlig grundlegendes: Liebe heimatliebenden Patrioten, wacht auf! So etwas wie Billigfleisch existiert nicht, die Frage ist nur, wer am Ende des Tages die Rechnung zahlt. In diesem Zusammenhang sind es die heimischen Landwirte, die kleinen Lebensmittelhändler, die heimische Wirtschaft und somit wir alle. Wahre Heimatliebe bedeutet umso mehr regionale Produkte zu kaufen, statt bei Amazon zu bestellen.

Ich trage meinen Kärntneranzug mit Stolz und singe auch gern die Nationalhymne oder das Heimatlied, aber eines ist Fakt: mein wahrer Patriotismus ist, dass ich sogar mein Kräutersalz von einer großartigen Bäuerin im schönen Moosburg hole. Denn wer als „stolzer Österreicher“ auf Flüchtlinge schimpft und dann mit dem Kauf von vermeintlichem Billigfleisch die heimischen Landwirte in Existenznöte bringt, ist kein Patriot, sondern scheinheilig.